Es gibt sie: Alternativen zum Kommerz-CSD

Eigentlich stand er kurz vor dem Aus: der seit 10 Jahren als Alternative zum kommerziellen CSD-Spektakel des Establishments in Berlin-Kreuzberg veranstaltete Transgeniale CSD drohte wie so manch andere fortschrittliche Veranstaltung aus Mangel an OrganisatorInnen einzuschlafen.

Doch die politische Gemengelage zu Zeiten des nationalistischen WM-Wahns machte die Organisation und Mobilisierung für die Demonstration der politischen Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen und Transgender (LSBT) -Bewegung plötzlich zum Selbstläufer. Kommerzieller und Alternativer CSD finden traditionell am 3. Juni-Wochenende an unterschiedlichen Zeiten und Orten in Berlin statt. Wegen der WM und damit verbundener Sicherheitsbedenken (vermutlich wegen der von manchen Fußballfreunden zu erwartenden Homophobie) bat die Polizei die CSD-Organisatoren, ihre Veranstaltungen erst nach der WM im Juli durchzuführen. Die VeranstalterInnen des kommerziellen CSD folgten dieser Bitte und stellten ihre Parade passend zum Zeitgeist unter das Motto “Einigkeit und Recht und Freiheit”. Derlei klebrige Anbiederung an die Herrschenden veranlaßte die alternativen queer-Aktivisten jetzt erst recht dazu, am traditionellen Termin während der WM zum Transgenialen CSD unter dem Motto “Vielfältigkeit und Recht und Freiheit” aufzurufen. Zwischen 10.000 und 20.000 DemonstrantInnen folgten dem Aufruf und trafen sich parallel zum WM-Achtelfinale Schweden – Deutschland in schweißtreibender Sommerhitze am U-Bahnhof Frankfurter Tor. Von einem pinken LKW schallt ein durchweg gut gemischtes Musik-Programm, dahinter steht ein Kleinbus mit einem überdimensionalen glitzernden Stöckelschuh auf dem Dach, in dem es gekühlte Getränke gegen Spende gibt. AktivistInnen unterschiedlicher linker Gruppen und LSBT-Initiativen wühlen sich durch die über eine Stunde auf den Demo-Beginn wartenden Massen. Einer der Organisatoren stellt erstaunt fest, dass nun auch die DKP eine “queer-AG” hat und wünscht mir viel Erfolg für unsere Arbeit “damit das hier mal ein bißchen kommunistischer wird”. Die 75 Exemplare von “queer DKP”, die ich dabei hatte, sind in kürzester Zeit an die Frau bzw. den Mann gebracht.
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Deutschland, einig Homo-Land?

BRD, 2006: Gleichgeschlechtlich Liebende sind überall akzeptiert: Es gibt eine blühende schwul-lesbische Subkultur, die “eingetragene Partnerschaft” ist dank rötlich-olivgrün Gesetz, es gibt tolle, farbenfrohe CSDs (Christopher Street Day)…

Also: Deutschland, einig Homo-Land? Mitnichten! Von dem um sich greifenden Sozialabbau in Ländern und Kommunen sind auch AIDS-Hilfen, Kommunikationszentren und andere nichtkommerzielle Projekte von der Szene für die Szene betroffen. Das in der Tat in den Grosstädten reichhaltige Angebot an Bars, Kneipen, Kinos, Diskotheken etc., ist für arbeitslose und von Sozialabbau betroffene (die Hartz-”Reformen” und die Rotstiftpolitik der Agenda 2010 trifft auch Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender (SLBT) kaum zu bezahlen. Von SLBTs in der “Provinz”, die sich auch im Jahre 2006 noch dumme Sprüche anhören müssen, ganz zu schweigen.
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Termine

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25. Mai 2012:
Festival der Jugend

2. Juni 2012:
CSD Schleswig-Holstein

2. Juni 2012:
Trans-Street-Day Dresden

2. Juni 2012:
CSD Karlsruhe

16. Juni 2012:
CSD Trier

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