
Markus Bernhardt: Schwule Nazis und der Rechtsruck in Gesellschaft und schwuler Szene (Cover: Pahl-Rugenstein, 2007)
In seinem ersten Buch versucht der Autor Markus Bernhardt das Verhältnis zwischen Neofaschismus und männlicher Homosexualität darzustellen und zu dokumentieren. Ein widersprüchliches wie auch heikles Thema. Schwule waren und sind Opfer, sie gehören zu den Opfergruppen des Faschismus und von Neofaschisten.
Aber sie sind es nicht nur. Sowohl im historischen deutschen Faschismus, Stichwort Ernst Röhm, als auch in der gegenwärtigen Neonazi-Szene finden sich aktive Schwule, und der Hang zum Fetisch “NS-Symbole” innerhalb von Teilen der schwulen Szene scheint nicht immer “nur” sexuell motiviert zu sein. Das alles findet nicht im luftleeren Raum statt. Auch innerhalb der schwulen Szene, insbesondere bei Medien und Verbandsfunktionären, ist nach der Phase der Entpolitisierung nunmehr ein verstärkter Rechtsruck zu beobachten, rassistische Vorurteile und Minderheitenfeindlichkeit sind auch hier zu finden. Das Buch bleibt nicht nur theoretisch, sondern portraitiert anhand von Beispielen offene Neonazis in der schwulen Szene und offene Schwule in der Neonazi-Szene. Es kommen aber auch in Interviews Menschen zu Wort, die diesem Treiben entgegen treten. So z. B. der erste bekennende schwule Bundestagsabgeordnete Herbert Rusche (ehemals “Die Grünen”), auf den am 12. März 1984 bei einem Vortrag in München ein Anschlag verübt worden war. Auch enthält es ein Interview mit Gottfried Ensslin. Er war in den 1970er Jahren aktiv in der Frankfurter Gruppe “Rote Zelle Schwul” (ROTZSCHWUL), einer der ersten Homogruppen der BRD. Dieser berichtet auch davon wie er im November 2006 grundlos von einem vermummten Sondereinsatzkommando der Berliner Polizei zusammengeschlagen wurde.
Weiterlesen »

Einfach den QR-Code mit Smartphone oder Tablet einscannen!












Letzte Kommentare