Von Thomas | 8. Juni 2010 |
Abgeschrieben,
Geschichte,
Kultur 
Claudia Wangerin: Die DDR und ihre Töchter
Zwei Welten
Das Thema »Feminismus« war in den neunziger Jahren fast eine Garantie für heißblütige Diskussionen, wenn Frauen aus Ost und West zusammenkamen. Manche von uns konnten es kaum fassen, wenn eine selbstbewußte Ex-DDR-Bürgerin auf die Frage nach ihrem Beruf ganz unbekümmert antwortete: »Ick bin Zahntechniker«, oder: »Ick bin Bauingenieur.« Wie konnten emanzipierte Frauen so wenig Wert auf die korrekte weibliche Form legen?
Während wir uns zeitweise bemühten, die Sprache ordentlich zu »gendern«, indem wir über alle möglichen Menschengruppen stets mit der weiblichen Endung sprachen – FreundInnen, KollegInnen, ArbeiterInnen –, taten sie das noch nicht einmal bei sich selbst. Für sie zählte der Fakt, daß sie einen bestimmten Beruf ausübten – nicht die politisch korrekte Sprache. Sie waren in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der vieles selbstverständlicher war. Vor allem das eigene Arbeitseinkommen – und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Inzwischen gibt es wieder eine gesamtdeutsche Frauengeneration, die ohne diese Selbstverständlichkeiten aufgewachsen ist. Vorher prallten nicht nur sprachlich Welten aufeinander, sondern auch inhaltlich – von der Arbeitsethik bis zur Sexualität.
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